Druckversion von http://www.gptg.eu/arbeitskreise/index.html
Alle Rechte beim GPTG e.V. bzw. beim Autor.
 

Unsere aktuellen Arbeitskreise

Alle Arbeitskreise gestalten ihre Arbeit autonom und erhalten dazu selbst zu gestaltende Internetauftritte im Rahmen der Homepage der GPTG. Die AKs treffen sich in eigener Absprache mehrmals jährlich. Zwischen diesen Sitzungen arbeiten sie zu verabredeten Themen und stellen die Ergebnisse ihrer Arbeit auf den Tagungen der GPTG e.V. vor.


AK "Trauma und visuelle Repräsentation"

Leitung: Dr. Julia B. Köhne

Der Arbeitskreis widmet sich den wechselseitigen Verbindungen zwischen zum einen klinischen, theoretischen und kulturellen Traumakonzeptionen und zum anderen ihren visuellen Repräsentationen. Kulturgeschichtliche, psychologische/psychotraumatologische, film- und medienwissenschaftliche sowie geschlechterspezifische Blicke sollen hier aufeinandertreffen. Fragen, die im Mittelpunkt des Interesses stehen, sind: Wie werden in audiovisuellen Medien, wie etwa dem internationalen Spiel- und Dokumentarfilm, Trauma und Traumatisierung und damit einhergehende (Alp)Traumbilder, Flashbacks, Deckerinnerungen, Dissoziation, Aggressionen etc. dargestellt und kommunizierbar gemacht? Welche medienspezifischen Beschreibungs- und Darstellungsmuster können hierbei festgemacht werden? Welcher symbolische Überschuss wird im visuellen Medium produziert, der wiederum Impulse für eine noch komplexere und differenziertere Traumaforschung und -therapie liefern könnte? Können Filme als „kulturelle Pflaster“ fungieren, durch die eine imaginäre Heilung/Perpetuierung - im Sinne von Katharsis oder Transformation - kollektiver oder individueller Traumata signifiziert wird? Und: Wie prägen visuell gefasste Traumafigurationen den sozialen Körper und dessen Selbstverständnis sowie die nationale Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur?


AK "Gewalt im ärztlichen Notdienst"

Leitung: Dr. med. Melanie Giesen

Gewalt im ärztlichen Notdienst ist ein Thema, das bisher stiefmütterlich behandelt worden ist.
In einer Epoche, in der seelische Traumatisierungen enttabuisiert werden, ist die Zeit überreif, auch dieses Thema anzugehen.

Ärztinnen und Ärzte sowie alle anderen Berufsgruppen, die sich von diesem Thema angesprochen fühlen und sich professionell, ggfs. auch wissenschaftlich damit auseinandersetzen möchten, sind in unserem neu zu gründenen Arbeitskreis herzlich willkommen. Gerne können Sie uns auch interessante Literatur zukommen lassen.

Alle, die ihre professionelle Hilfe für Betroffene anbieten möchten und ihre Erfahrungen einbringen wollen, sind ebenfalls herzlich eingeladen.

Wenn Sie zu den Kolleginnen und Kollegen zählen, die im ärztlichen Notdienst in eine bedrohliche Situation gekommen sind, über die Sie bisher geschwiegen haben und Sie jetzt das Bedürfnis verspüren, darüber reden zu wollen, sind aufgerufen, sich mit unserem Arbeitskreis zwecks Gründung einer Selbsthilfegruppe in Verbindung zu setzen.

Vielleicht haben Sie noch nie bewußt über dieses Thema nachgedacht, aber in bestimmten Situationen ein mulmiges Gefühl im Bauch gespürt, welches Sie ganz schnell wieder verdrängt haben.
Welche Gefühle kommen in Ihnen hoch, wenn Sie zu einem Patienten gerufen werden, den Sie gar nicht kennen und Sie nicht wissen, was Sie erwartet? Werden Sie ihm vertrauen, daß er wirklich Ihre ärztliche Hilfe braucht oder kommen in Ihnen Gedanken auf, daß er Sie für seine Zwecke mißbrauchen und hierzu schlimmstenfalls auch Gewalt anwenden könnte? Haben Sie es schon erlebt, daß Sie zu einem angeblichen Patienten gerufen werden, der Ihnen seine Pistole auf die Brust oder auf den Kopf setzt, um an eine AU zu gelangen und Sie Todesängste haben?
Ist es Ihnen schon widerfahren, daß ein Patient sie massiv verbal oder körperlich unter Druck gesetzt hat, um ein bestimmtes Medikament von Ihnen zu erzwingen? Haben Sie im ärztlichen Notdienst einen sexuellen Übergriff erlebt?

Wenn Sie solche oder ähnliche Situationen erlebt haben, wäre es sehr schön, wenn Sie sich dazu offen bekennen würden, da Sie damit vielen Kolleginnen und Kollegen dabei helfen könnten, über ihre mitunter verdrängten Erlebnisse nachzudenken.
Diese wie alle anderen traumatischen Erlebnisse werden energetisch in uns gespeichert und führen zu Energieblockaden, die auf Dauer auch körperlich krank machen. Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit diesem Thema lohnt sich. Dabei können erstaunliche Dinge wie z. B. ein Geburtstrauma oder ein sexueller Mißbrauch als tieferliegende Schicht für Ihre Angst oder Ihr Mißtrauen ans Tageslicht kommen.


AK "Trauma und Jugendhilfe"

Leitung: Dipl.-Psych. Jochen Strauß

Herr Strauß sucht ab sofort interessierte Teilnehmer/-innen für diesen Arbeitskreis. Der aktive Beginn für diesen AK soll im Juli 2010 sein. Interessierte wenden sich bitte direkt an Herrn Strauß oder an Michael Borbonus. Vielen Dank!

Der Arbeitskreis möchte Forum sein für die unterschiedlichen in und um Jugendhilfethemen engagierte Menschen aus den unterschiedlichen Professionen: PädagogInnen aus allen Berufsbildern, ÄrtzInnen, PsycholgInnen, TherapeutInnen....... Ein Forum zum Austausch, zur Diskussion praxisrelevanter Themen und politisches Forum, um innerhalb der GPTG und in der Öffentlichkeit den Anliegen unserer Professionen und der Kinder- und Jugendlichen eine Stimme zu geben.
„Trauma und Jugendhilfe“ haben mindestens drei Bereiche, in denen wir Professionelle uns engagieren können, achtsam sein müssen, unsere Professionalität immer wieder auf den Prüfstein legen müssen:

1. Die Klientel:

Knapp 2/3 der Kinder und Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe müssen nach Studienergebnissen von Schmid (2007) und anderen als psychisch hoch belastet gelten. Aber auch im ambulanten Bereich kann gelten: Viele Prozesse, die wir heute noch als „Oppositionelles Verhalten“, „Reaktive Bindungsstörungen“, „Aufmerksamkeitsdefizite“ und dergleichen mehr zu beschreiben gehalten sind, lassen sich vielfach als adaptive Reaktionen auf Traumata beschreiben. Häufig werden jedoch die nosologischen Kriterien der einschlägigen Diagnostikmanuale nicht erfüllt. In der Folge laufen die Hilfen an den Klienten und ihren Familien vorbei.

2. Die Dienste und Einrichtungen:

Legt man die Überlegungen von Keilson oder Becker zu „sequentiellen Traumatisierungen“ zugrunde, so muss man formulieren, dass häufig die erlebte Gefahr nicht allein oder nicht überwiegend für das Ausmaß der lebensgeschichtlich resultierenden Einschränkungen der Betroffenen verantwortlich ist: Ganz entscheidend ist auch, wie sich die Prozesse nach Abwenden der unmittelbaren Gefahr gestalten – sprich: Wie geht das helfende System / Helfersystem mit den Opfern um, entstehen hier – wohlmeinend oder durch Überheblichkeit und Übergriffe erst die entscheidenden Einschnitte?
Inobhutnahmen, gegen den Willen der Betroffenen installierte Hilfen, Medikalisierung und Psychiatrisierung sind Stichworte für Formen struktureller Gewalt, die die Opfer häufig nicht minder schädigen, wenngleich die Intentionen der Helfer natürlich heilsame sind.
Einrichtungen und Helfer selbst, die infolge struktureller Mängel oder auch ungenügender Selbstfürsorge, um ein Beispiel zu nennen, am Rande des „Ausbrennens“ arbeiten, verletzen ihren Auftrag gegenüber der Klientel, aber auch gegenüber der Gesellschaft, die erwarten kann, dass wir Antworten für die brennenden Nöte der Betroffenen entwickeln.

3. Gesellschaftliche Prozesse:

Armut, prekäre Lebensverhältnisse, Flucht – einige Hochrisikofaktoren für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Risikofaktoren, die zu gewaltsamen Verhältnissen in den Familien beitragen und Lebenschancen abschneiden. Gesellschaftliche Formen des gewaltsamen Umgangs mit Menschen also.
Die Finanznot der Kommunen führt zu Kürzungen in vielen sozialen Bereichen – Hilfen werden gekürzt oder ganz gestrichen, selbst da wo Betroffene klagen verweisen die Kommunen auf leere Kassen. Eine Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, die als Umverteilung von „Oben nach Unten“ beschrieben werden kann: Realitäten, Risikofaktoren erster Ordnung, wie auch alle diesbezüglichen Studien ausweisen. An dieser Stelle dürfen sich helfende Systeme, Personen und Institutionen nicht mehr allein auf ihre caritative Funktion beschränken, sondern sollten, müssen diese Formen gesellschaftlich vermittelter struktureller Gewalt benennen, auch um als Helfende glaubwürdig zu bleiben.

Obige Überlegungen sind als Eröffnungsplädoyer gedacht, als Versuch, eine fruchtbare Debatte unter Professionellen unterschiedlicher Couleur in Gang zu bringen.

Lassen Sie uns gemeinsam Ideen und Inhalte austauschen!


AK "Entwicklung traumagerechter Arbeitsprinzipien"

Leitung: Dipl.-Psych. Nikola v. Saint Paul

Die grundlegenden Erkenntnisse aus Neurobiologie und Psychotraumatologie werden zusammengefasst und traumagerechte Prinzipien psychotherapeutischen Handelns werden aus ihnen abgeleitet.

Ziel ist es, ein Grundverständnis der Psychotraumatologie vermittelbar zu machen, das für Psychotherapeutinnen handlungsleitend werden kann, auch wenn diese sich nicht als "Traumatherapeuten" im engeren Sinn qualifizieren wollen oder keine speziellen traumatherapeutischen Techniken erlernen möchten. Traumatisierte Klientinnen kommen in jede psychotherapeutische Praxis - auch wenn ganz andere Probleme im Vordergrund stehen - und es ist unverzichtbar mit dieser Problematik adäquat umgehen zu können. Bis heute ist die Psychotraumatologie kein verpflichtender Bestandteil in den psychotherapeutischen Ausbildungscurricula. Es gibt bei weitem noch nicht genügend Kolleg/inn/en, die sich in Traumatherapie weiterqualifiziert haben und es herrscht ein Vakuum zwischen dem Problembewusstsein und einer allgemeinen Handlungskompetenz.

Die Gefahr der "Retraumatisierung in der Therapie", die in den letzten Jahren vielfältig beschrieben wurde, hat mitunter in eine große Hilflosigkeit geführt. Dies hat dazu beigetragen, dass Problematiken, die offensichtlich mit Traumata zusammenhängen, aus etlichen Therapien ganz ausgespart wurden. Dabei wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Wichtig wäre es hier, einen guten und wissensbasierten Umgang mit der Situation zu entwickeln. Die Patienten dürfen mit traumatischen Erinnerungen, die im Lauf einer Therapie zutage treten, nicht allein gelassen werden. Durch einen achtsamen, traumagerechten Umgang und ein ressourcenorientiertes Vorgehen sind viele dieser Erinnerungen durchaus zu verarbeiten sind (gut ist es, sich zu vergegenwärtigen, dass die meisten Traumata im Lauf der Zeit mit der ganz normalen Unterstützung des sozialen Umfeldes bewältigt werden). Gleichsam muss natürlich auch erkannt werden, wann die eigenen Kompetenzen überschritten sind und man an eine speziell ausgebildete Kollegin weiter verweisen sollte.

Interessierte an dieser Thematik sind eingeladen, sich als Mitglieder dieses AKs an der Diskussion und Entwicklung grundlegender traumagerechter Arbeitsprinzipien zu beteiligen.


AK "Basiswissen Psychotrauma"

Koordination: Dipl.-Psych. Nikola v. Saint Paul

Nicht jeder, der Umgang mit traumatisierten Menschen hat, kann oder will sich psychotraumatologisch umfassend ausbilden lassen. Viele jedoch erleben ihre eigene Hilflosigkeit im professionellen Handeln, wenn traumatische Erfahrungen ihre Klientel geprägt haben. Polizisten, die sexuell drangsalierte Jugendliche vernehmen, Hebammen, die Frauen betreuen, bei denen im Verlauf der Geburt traumatische Erinnerungen hochkommen, Pfarrer, denen traumatisierte Menschen sich anvertrauen wollen, Mitarbeiter im Strafvollzug, die mit Gefangenen konfrontiert sind, die im traumatischen Flash-Back plötzlich gewalttätig werden.

Hier soll ein Kanon der bedeutsamen Sachverhalte und grundlegenden Handlungsrichtlinien erstellt werden, um ein traumagerechtes Vorgehen im Umgang mit diesen Menschen zu ermöglichen. Wie können sie darin unterstützt werden, sich zu regulieren und ihre Handlungsfähigkeit wieder zurückzuerlangen, wenn sie durch traumatische Überflutung oder durch Dissoziation beeinträchtigt sind.