Sexualtherapie

Sexuelle Funktionsstörungen können sowohl körperliche als auch seelische Ursachen haben. Sie können durch Medikamente oder Drogen mitbedingt sein. Eine einfache Unterscheidung ist durch die Frage möglich, ob Lust, Erregung und Befriedigung grundsätzlich problematisch sind, oder ob beispielsweise bei der Selbstbefriedigung der Körper "funktioniert" und beim Zusammensein mit einem/r Partner/in "nicht funktioniert".

Unabhängig von den Gründen der Funktionsstörung führt das Auftreten von Problemen in der Sexualität oft zu einem Teufelskreis. Die Erwartungshaltung, dass beim nächsten Mal wieder etwas "schiefgeht" führt zu Anspannung und Leistungsdruck.

Liegt der Fokus zunächst auf den organischen Ursachen, erfolgt die Behandlung meist medikamentös, z.B. bei erektiler Dysfunktion mit Medikamenten der Wirkstoffgruppe der PDE-5-Hemmer (Viagra). Ist die Entscheidung zugunsten einer psychotherapeutischen Behandlung gefallen, dann gibt es viele verschiedene sexualtherapeutische Ansätze, zwischen denen gewählt werden kann.

Als Beispiele wären hier die tiefenpsychologische, verhaltenstherapeutische, systemische oder körpertherapeutische Behandlung zu nennen.

Tiefenpsychologische Psychotherapie hilft besonders bei frühkindlichen Störungen, wenn also der oder die Betroffene als kleines Kind zu wenig Zuwendung und Nähe erfahren hat oder in diesem Alter verletzt wurde. Es kann aber ebenso sinnvoll sein, die funktionale Seite der Störung praktisch übend und mit Hilfe einer Verhaltenstherapie anzugehen.

Hierfür haben z.B. die Sexualtherapeuten Masters und Johnson spezielle Übungen entwickelt, mit denen man direkt am Sexualverhalten des oder der Betroffenen arbeiten kann. Bei den Übungen werden nicht nur die Partner(innen) der Klient(inn)en als Hilfstherapeut(inn)en eingesetzt, sondern es geht auch um die Vermittlung von grundlegendem Wissen über den Körper und die sexuelle Energie. Des Weiteren ist die eigene Wahrnehmung über sich selbst und die eigene Lust, aber auch die Wahrnehmung des Partners/der Partnerin und dessen/deren Lust Gegenstand der Therapie.

Bei traumatischen Verletzungen, z.B. durch sexuellen Missbrauch muss der Klient oder die Klientin zuerst unter therapeutischer Anleitung die für die Behandlung notwendige innere Stärke und Distanz aufbauen, bevor direkt an der traumatischen Erfahrung gearbeitet werden kann. Ein geeignetes Verfahren hierfür wäre die Traumatherapie mit EMDR.

Die Systemische Paartherapie arbeitet an der Beziehung des Paares. Sexuelle Störungen können eine direkte Folge von Paarkonflikten sein. Auf jeden Fall aber haben sie direkte Auswirkungen auf die Paarbeziehung. So entsteht ein dichtes Netz von Wechselwirkungen, die sich gegenseitig aufschaukeln können und in der Therapie wieder entwirrt werden müssen. Zwischen den Sitzungen erhalten die Paare Hausaufgaben, um Gelerntes zu üben und neue Erfahrungen zu machen.